17.10.11 Home
Der Mittellandkanal zweigt bei Bergeshövede in der Nähe
von Rheine aus dem Dortmund-Ems-Kanal ab und endet nach rund 320 km Länge bei
Magdeburg an der Elbe. Er verbindet als zentraler Teil der einzigen
West-Ost-Wasserstraße Norddeutschlands die Stromgebiete des Rheins, der Ems,
der Weser und der Elbe und stellt darüber hinaus die Verbindung nach Berlin und
zu den osteuropäischen Wasserstraßen her. Neben den vom Mittellandkanal direkt
berührten Industriegebieten Ibbenbüren, Minden, Hannover, Braunschweig und
Magdeburg binden Stichkanäle nach Osnabrück, Hannover Linden, Hannover Misburg,
Hildesheim und Salzgitter weitere wichtige Industrie- und Gewerbegebiete an den
Mittellandkanal an.
Den Mittellandkanal und seine Stichkanäle kreuzen 385
Brücken sowie 228 Düker und Durchlässe, mit denen Gewässer und Verkehrswege
unterführt werden.
Um Ems, Weser und Elbe miteinander zu verbinden, muss der Mittellandkanal zwei
Wasserscheiden zwischen diesen Flussgebieten überwinden. An seinem westlichen
Beginn bei Bergeshövede am Dortmund-Ems-Kanal liegt der Wasserspiegel des
Mittellandkanals auf NN + 50,30 m (wie auch in Hedem). Die Wasserscheide
zwischen Ems und Weser überwindet er ohne Schleusen. Die Weser wird bei Minden
mit einer Kanalbrücke gekreuzt. Östlich der Weser verläuft der Kanal immer
noch auf der Höhe NN + 50,30 m, überquert die Leine und steigt erst mit der
Hindenburgschleuse in Anderten in seine Scheitelhaltung; mit einer
Wasserspiegelhöhe von NN + 65 m Mit der Schleuse Südfeld westlich von
Wolfsburg endet die Scheidelhaltung; der Mittellandkanal geht hier in seiner
Osthaltung auf der Wasserspiegelhöhe NN + 56 m über.
Den Planungen zum Bau des Mittellandkanals war ein Verkehrsaufkommen von 8,8
Mio. Jahrestonnen zugrunde gelegt worden. Bereits gegen Ende der 30 er Jahre
erreichte der Verkehr jedoch 12 Mio. Jahrestonnen und ist bis heute auf etwa 23
Mio. Tonnen angewachsen. Hiervon entfallen ca. 6 Mio. Tonnen auf den
Durchgangsverkehr und ca. 17 Mio. Tonnen auf den Gebietsverkehr, das heißt
einen Verkehr, der in den Häfen des Kanals selbst beginnt oder endet. Der
Gebietsverkehr von heute 75 % zeigt, welch großen Einfluss der Kanal auf die
wirtschaftliche Entwicklung seines Umfeldes hat. Alle Verkehrsprognosen sagen,
insbesondere nach der Wiederherstellung der deutschen Einheit und nach Öffnung
der osteuropäischen Länder, einen weiteren deutlichen Verkehrszuwachs voraus.
Bevor der erste Spatenstich zum Bau des Kanal getan werden
konnte, waren
jahrelange Verhandlungen und Interessenkämpfe zu bestehen. Schon bei der
friedlichen Eröffnung des Dortmund-Ems-Kanals 20 Jahre zuvor, hatte Kaiser
Wilhelm II. die Hoffnung ausgedrückt, das Parlament würde ihn in die Lage
versetzten "dem Land den Segen des Mittellandkanals" zu sichern. Erst
1904
konnten erste Streckenabschnitte des Kanalprojektes in Angriff genommen genommen werden. Auch hier vor Ort rieben sich die Meinungen der einen, die
auf den Fortschritt bauten, und der anderen, deren Land genommen oder
zerteilt wurde, gegenseitig auf. Dies setzte sich auch während der
Kanalvorbereitungen fort. Zahlreiche Schwierigkeiten, denen man noch zuvor kein Augenmerk schenkte, mussten gemeistert werden. Als dann 1910 die
ersten Ladungen von Holzteilen und Eisen für den Brückenbau in unserer
Region angefahren wurden, war das Interesse groß, fanden doch viele Helfer
hier neue Arbeit.
Der
Abschnitt in Hedem und in benachbarte Gebiete entstand in den Jahren
1910 bis 1914. Die Bauzeit dieser bis heute bedeutenden Wasserstraße nahm in
der Presse nur geringen Raum ein. Dies dürfte unter anderem darauf zurückzuführen
sein, dass die Königliche Kanalbaudirektion Hannover mangels einheimischer Kräfte
auch Italiener, Polen und Österreicher beschäftigte. Diese hatten ihre Bleibe
häufig nicht in den Dörfern selbst, sondern in Unterkünften an der
Kanalbaustelle.
Mit den in der Planungsvorgabe liegenden Moor- und Feuchtgebieten gab es zusätzliche
Probleme. So musste auf der Strecke von Getmold über Alswede nach Lübbecke ein
Deichsystem entwickelt und umgesetzt werden. Die erforderliche Umleitung
zahlreicher Wege und die Neuanlage von Brücken nach Rücksprache mit den überwiegend
bäuerlichen Eigentümern hatten umfangreiche Erdarbeiten zur Folge. Da eine
vertragstreue pünktliche Fertigstellung der Bauarbeiten erforderlich war, wurde
seit dem 1. Mai 1912 auch nachts gearbeitet.
Einen Teil der zum Kanalbau benötigten Steine gewann man im Nettelstedter
Steinbruch und transportierte sie mit Pferdefuhrwerken die Hänge des
Wiehengebirges hinab zum Arbeitsplatz am Kanal. Unfälle zeigten immer wieder,
wie gefährlich solche Unternehmen waren.
Im Dezember 1914 war es soweit. Das Kanalbett war
eingewässert. Am 9. Dezember passierte nach Auskunft der Lübbecker
Stadtchronik das erste Schiff den Kanal - ein mit Steinen beladenes Schiff im
Auftrage der Kanalbaudirektion.
Am 16. Februar 1915 fand, vom Krieg überschattet, die Einweihung des
Ems-Weser-Kanal in aller Stille statt. Manchem bot sich von nun an der bis
dahin unbekannte Anblick eines Schiffes, und immer wieder fanden sich
Schaulustige zusammen, wenn die Ankunft oder die Durchfahrt eines Dampfers oder eines Bootes bekannt wurde. Doch diese Beschaulichkeit
sollte noch im Einweihungsjahr des Kanals dramatische Wende erhalten.
Der Dammbruch
1915 in Hedem am 2. Weihnachtstag 1915
Durch das
sich schnell vergrößernde Loch schoss Wasser in das Vorland und bedrohte
Höfe und Häuser. Viel Vieh ertrank in den Fluten. Mit vereinten Kräften konnte größerer Schaden verhindert werden. Von Minden aus entzog man den
Kanal Wasser, um den Wasserspiegel auf ein kontrollierbares Maß
abzusenken.
Die Schlepper zogen Kähne, mussten unter Brücken den
Schornstein einklappen.
Im Dezember 1921 war der Kanal zugefroren und die Eisstärke betrug 13 cm.
Infolge der Besetzung des Ruhrgebietes 1923 durch die Franzosen ist der
Schiffsverkehr 1923 fast ganz eingestellt.
Im Frühjahr 1945, kurz vor Beendigung des Krieges, wurden viele Brücken
über dem Mittellandkanal wie auch die Kanalüberführung und die
Weserbrücke in Minden gesprengt.
Mitte der sechziger Jahre wurde der Kanal verbreitert, auf Grund
zunehmenden Verkehrs. Man ging nun dazu über, zur Uferabsicherung
Spundwände mittels einer Fünf-Tonnen-Preßluftramme über drei Meter in den
Boden zu rammen und mit Abraum, Sand und Steinen das Ufer bis zu den
Spundwänden aufzufüllen.
Interessante archäologische Funde machten Wissenschaftler im
Oktober 1992
bei Erdarbeiten zu der MIDAL-Trasse (Midal: Mitte-Deutschland-Anbindungs-Leitung verbindet den Norden und Süden Ostwestfalen-Lippes von Warburg bis
Rahden). Eine germanische Ansiedlung aus der Zeit um 500 v. Chr. wurde
entdeckt.
Mit Hilfe eines neun Meter langen Bohrkopfes wurde im März 1993 über 208
Meter von der Nordseite des Kanals unter der Wasserstraße her Platz für die Rohrleitung (1 m Durchmesser) geschaffen. Die Kosten für diese Bohrarbeiten
betrugen 3 Mio. Mark.
Ein
Ruderschaden ist offenbar die Ursache für ein
Schiffsunglück auf dem Mittellandkanal zwischen Hedem und Lashorst. Ein mit 700
Tonnen Kies beladener Frachter aus Antwerpen war auf dem Weg von Magdeburg nach
Venlo. Am 06.07.03 fiel dann die Elektronik des Schiffes aus. Kapitän Michel
Regnier wollte am Anleger zwischen Hedem und Lashorst fest machen, um Hilfe zu
holen. Offenbar sei das Schiff dann gegen die Spundwand geprallt, meinte
Stadtbrandinspektor und Zahnarzt Dr. Thomas Kunzemann. Da mittlerweile Wasser in
das S
chiff eingedrungen war, wurde die Feuerwehr alarmiert. Für zahlreiche
Kameraden war der Besuch des Hedemer Feuerwehrfestes damit vorzeitig beendet.
Ein Teil des abgepumpten Wasser musste in Faltbehältern aufgefangen und
anschließend entsorgt werden, weil es mit einem Gemisch aus Öl und Diesel
verschmutzt war. Ein speziell ausgebildeter Taucher wurde aus Duisburg
angefordert, um den Schaden in Augenschein zu nehmen und den Frachter
gegebenenfalls direkt vor Ort zu reparieren. Eine akute Gefahr für die Umwelt
bestand durch das schnelle Eingreifen der Pr. Oldendorfer Feuerwehr nicht mehr.
Durch das fachliche Eingreifen der Feuerwehrleute vor Ort konnte verhindert
werden, dass der Frachter sank.
Ein
Hauch von Hamburger Elbe - Atmosphäre war am 01.04.2010 am Mittellandkanal in
Hedem zu spüren.
"In Wedel heißt es 'Willkommen in Hamburg' und bei uns für die
Binnenschiffe heute 'Willkommen in Hedem' lachte Thomas Lömker. Bei der
Einfahrt schallte dazu aus einem Lautsprecher das Lied "Ein Schiff wird
kommen" von Lale Andersen und bei der Ausfahrt erklang der Evergreen
"Junge, komm bald wieder" von Freddy Quinn. Es wurde auch jedes Mal
die entsprechende Flagge des Schiffes gehisst. Für diese Aktion benötigte man
nur 7 Flaggen (Deutschland, Frankreich, Belgien, Schweiz, Tschechien, Polen und
Holland).